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BGA-Reballing-Service und Mainboard-Reparatur als Partnerleistung für andere Werkstätten

Redaktion Reparatur-Aufträge (Vierstein) · Stand

Ein BGA-Reballing-Service löst einen Chip mit Kugelgitter von der Platine, versieht ihn mit neuen Lotkugeln und setzt ihn wieder ein. Die meisten Werkstätten haben dafür weder Rework-Station noch Übung und geben solche Fälle an Spezialisten ab. Wer Board-Level beherrscht, kann die Leistung anderen Betrieben anbieten, sollte Diagnosepreis, Haftung und Gewährleistung aber vorher schriftlich regeln.

Ein MacBook ohne Bild nach Wasserschaden, eine Konsole, die nach dem Einschalten sofort wieder ausgeht, ein Notebook mit Grafikfehler unter Last: Hinter solchen Fehlerbildern steckt oft ein Problem direkt auf der Platine. Die meisten Werkstätten tauschen Displays, Akkus und Buchsen. Für Arbeiten unter dem Chip fehlen ihnen Ausstattung und Übung. Genau hier entsteht Bedarf für einen BGA-Reballing-Service, den Spezialisten anderen Betrieben anbieten. Dieser Ratgeber richtet sich an beide Seiten: an die Werkstatt, die solche Fälle abgibt, und an den Board-Level-Betrieb, der sie übernimmt.

Welche Fälle Board-Level brauchen

Board-Level heißt: Die Reparatur findet auf der Hauptplatine statt, auf Bauteilebene. Typische Fälle sind:

BGA steht für Ball Grid Array. Der Chip ist nicht über Beinchen am Rand mit der Platine verbunden, er sitzt auf einem Raster aus kleinen Lotkugeln an seiner Unterseite. Diese Verbindungen sind von außen nicht sichtbar und nicht mit dem Lötkolben erreichbar. Wer sie lösen oder erneuern will, braucht kontrollierte Wärme von oben und unten.

Beim Reflow wird das vorhandene Lot nur erneut aufgeschmolzen. Der Chip bleibt auf der Platine. Beim Reballing wird der Chip ausgelötet, Chip und Platine werden von altem Lot befreit, der Chip bekommt über eine Schablone neue Kugeln und wird wieder aufgesetzt. Reballing ist aufwendiger und gilt in der Praxis als die dauerhaftere Lösung. Für deine Kalkulation und dein Angebot an Kollegen ist dieser Unterschied wichtig, weil Aufwand und Erfolgschance stark voneinander abweichen.

Welche Anfragen in der Kategorie Elektronik und Platinen bei uns hereinkommen, zeigt die Seite Aufträge für Platinenreparatur. Für Konsolen mit HDMI- oder Mainboard-Schaden gibt es eine eigene Seite: Konsolen-Reparatur-Aufträge.

Ausstattung und Einstieg

Wer einen Mainboard-Reparatur-Service anbieten will, braucht mehr als einen guten Lötkolben. Zur Grundausstattung gehören:

Preise für diese Ausstattung nennen wir bewusst nicht. Sie hängen stark davon ab, ob du Einsteigergeräte oder Profitechnik kaufst, und belastbare Marktdaten liegen uns nicht vor.

Wichtiger als das Gerät ist die Übung. Board-Level verzeiht wenig: Zu viel Wärme beschädigt den Chip oder benachbarte Bauteile, zu wenig lässt kalte Lötstellen zurück. Wer Mikrolöten lernen will, übt am besten an Schrottplatinen, bevor ein Kundengerät auf dem Tisch liegt. Ein formaler Abschluss ist dafür nicht vorgeschrieben. Die Ausbildung zum Informationselektroniker im Handwerk dauert laut BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit 3,5 Jahre und vermittelt die Grundlagen der Elektronik, auf denen Board-Level aufbaut.

Preise unter Betrieben kalkulieren

Für BGA-Reballing unter Werkstätten gibt es keine veröffentlichten Marktpreise, die wir belegen könnten. Wir nennen deshalb keine Euro-Beträge. Ein sauberes Angebot an Kollegen baut sich aus diesen Bausteinen auf:

  1. Diagnose: Eine feste Pauschale für die Fehlersuche, unabhängig vom Ergebnis. Board-Level-Diagnose dauert oft länger als die eigentliche Reparatur.
  2. Arbeitszeit: Dein Stundensatz mal realistischer Zeitbedarf, für Reballing deutlich mehr als für einen Reflow.
  3. Material: Ersatzchip, falls nötig, dazu Lot, Flussmittel und Verschleiß.
  4. Risiko: Ein Aufschlag für Fälle, in denen die Platine beim Eingriff endgültig stirbt. Das kommt vor und gehört in die Kalkulation.
  5. Versand: Wer zahlt Hin- und Rückweg, und ist der Versand versichert?

Bei Spezialreparaturen steht der Endpreis oft erst nach der Diagnose fest. Halte deshalb vorher schriftlich fest, ob die Diagnose etwas kostet. Das Gesetz hilft dir sonst nicht: Nach § 632 Abs. 3 BGB ist ein Kostenanschlag im Zweifel nicht zu vergüten. Zeigt sich nach der Diagnose, dass die Reparatur deutlich teurer wird als angesetzt, musst du deinen Auftraggeber nach § 649 Abs. 2 BGB unverzüglich informieren. Er kann dann kündigen.

Für die abgebende Werkstatt gilt: Rechne den Partnerpreis, deine eigene Annahme, Verpackung, Porto und dein Haftungsrisiko zusammen, bevor du dem Kunden einen Preis nennst. Wie du für einfache Reparaturen kalkulierst, zeigt der Ratgeber Displaytausch kalkulieren. Für Board-Level gelten dieselben Grundsätze, nur mit mehr Unsicherheit.

Haftung und Gewährleistung bei Weitergabe

Wer einen Board-Level-Fall weitergibt, sollte vorher klären, wer Vertragspartner des Endkunden ist.

Du bleibst Vertragspartner. Der Kunde gibt dir das Gerät, du lässt die Platine bei einem Spezialisten reparieren. Dann musst du dir ein Verschulden des Partners nach § 278 BGB wie eigenes Verschulden zurechnen lassen. Beschädigt der Partner beim Reballing die Platine, hält sich der Kunde an dich. Ob du dir den Schaden vom Partner zurückholen kannst, hängt von eurer Vereinbarung ab.

Der Spezialist wird Vertragspartner. Du vermittelst den Kunden, er schickt das Gerät direkt ein und schließt den Vertrag mit dem Board-Level-Betrieb. Dann haftest du für dessen Arbeit nicht. Bei Fällen mit offenem Ausgang, etwa einem korrodierten Logicboard, ist dieser Weg oft entspannter.

Für Mängel an der Reparatur gilt nach § 634a BGB eine Verjährung von zwei Jahren ab Abnahme. Kommt die Reparatur im Rahmen der Gewährleistung aus einem Kaufvertrag zustande, kommt eine Neuerung hinzu: Der Bundestag hat am 25.06.2026 die Umsetzung der EU-Reparaturrichtlinie beschlossen. Danach verlängert sich die Gewährleistungsfrist um zwölf Monate, wenn sich der Verbraucher für eine Reparatur entscheidet. Händler, die solche Fälle an einen Spezialisten weitergeben, sollten die längere Frist im Vertrag mit dem Partner abbilden.

In jede Vereinbarung gehören außerdem:

Wie du Fälle allgemein weitergibst, etwa Datenrettung oder fachfremde Geräte, beschreibt der Ratgeber Aufträge weitergeben.

Partner über die Werkstattbörse finden

In der Werkstattbörse treffen beide Seiten aufeinander. Die abgebende Werkstatt stellt den Fall ein, der Spezialist kauft den Kontakt und meldet sich.

Für Werkstätten, die abgeben:

Für Spezialisten, die übernehmen:

Ein gutes Inserat für einen Board-Level-Fall sieht so aus: „Notebook, Grafikfehler und Abstürze unter Last, Verdacht auf GPU-Lötstellen, Reflow nicht versucht, Gerät kann eingeschickt werden.“ Je genauer die Vorarbeit beschrieben ist, desto besser kann ein Spezialist einschätzen, ob er den Fall annimmt. Ein Beispiel ist das, keine echte Anfrage.

In der Börse stehen außerdem Aufträge von Privatkunden, die ihre Reparatur selbst ausschreiben. Gerade bei Platinen landen dort Fälle, die mehrere Werkstätten vor Ort abgelehnt haben. Für einen Board-Level-Betrieb ist das eine zweite Quelle neben den Kollegen. Für die Registrierung als Betrieb brauchst du ein kostenloses Konto, eine Grundgebühr gibt es nicht.

Für wen sich das Angebot lohnt

Ein BGA-Reballing-Service für Kollegen passt zu Betrieben, die Board-Level ohnehin beherrschen und freie Kapazität an der Rework-Station haben. Der Vorteil: Die Kollegen haben die Annahme, das Kundengespräch und oft eine erste Diagnose schon erledigt. Du bekommst ein Gerät mit beschriebenem Fehler und kannst dich auf die Arbeit an der Platine konzentrieren.

Für Werkstätten ohne eigene Board-Level-Ausstattung ist das Einkaufen dieser Leistung meist der schnellere Weg als eine eigene Rework-Station. So schätzen wir es ein, eine belegte Zahl dazu gibt es nicht. Wer Board-Level selbst aufbauen will, findet erfahrene Mikrolöter auch über die Technikerbörse.

Häufige Fragen

Was ist BGA-Reballing?

BGA steht für Ball Grid Array, ein Gehäuse, bei dem der Chip über ein Raster aus Lotkugeln auf der Unterseite mit der Platine verbunden ist. Beim Reballing wird der Chip ausgelötet, von altem Lot befreit, über eine Schablone mit neuen Kugeln versehen und wieder aufgelötet.

Ist Reflow dasselbe wie Reballing?

Nein. Beim Reflow wird das vorhandene Lot nur erneut aufgeschmolzen, der Chip bleibt auf der Platine. Beim Reballing kommt der Chip herunter und bekommt neue Lotkugeln. Reflow ist schneller, gilt in der Praxis aber oft nur als kurzfristige Lösung.

Muss ich eine Diagnose bezahlen, wenn die Reparatur nicht klappt?

Nur wenn das vereinbart ist. Nach § 632 Abs. 3 BGB ist ein Kostenanschlag im Zweifel nicht zu vergüten. Unter Betrieben solltest du deshalb vor dem Versand schriftlich festhalten, ob und wie viel die Diagnose kostet.

Wer haftet, wenn der Partner beim Reballing die Platine beschädigt?

Hat dein Kunde den Vertrag mit dir geschlossen, musst du dir das Verschulden des Partners nach § 278 BGB wie eigenes zurechnen lassen. Du kannst dich danach an den Partner halten, soweit euer Vertrag das hergibt.

Wo finde ich einen Mainboard-Reparatur-Service für meine Werkstatt?

Zum Beispiel in der Werkstattbörse von Reparatur-Aufträge. Du stellst den Fall für 5 Euro netto ein, Spezialisten kaufen den Kontakt für 5 Euro netto und melden sich bei dir.

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